Kehlkopfkrebs Therapie

Steht zweifelsfrei fest, dass Sie an Kehlkopfkrebs erkrankt sind muss die Krebserkrankung schnellstmöglich behandelt werden. Wird dies nicht gemacht, breitet sich der Tumor aus, streut im Körper Tochtergeschwülste, und führt früher oder später zum Tod.

Ihr Arzt wird sich nach ausführlicher Diagnostik mit Ihnen über die Behandlungsmöglichkeiten unterhalten. Bei der Therapie von Kehlkopfkrebs kommen drei Methoden zum Einsatz, die bei frühzeitiger Behandlung gute Prognosen auf Heilung haben.

Klassifikation

Um für Ihre Krebserkrankung einen entsprechenden Behandlungsplan aufstellen zu können muss Ihr Arzt alle relevanten Informationen zusammentragen. Dazu gehören Informationen wie Zelltyp und Größe, wie schnell der Krebs wächst, ob er die Organgrenze überschritten hat. Wichtig ist hierbei auch ob sich der Tumor bereits im Körper ausgebreitet hat.

Aus all diesen Ergebnissen kann ein Krankheitsstadium ermittelt werden. Dies wird auch „Staging“ (Stadieneinteilung) genannt. Daraus kann dann eine geeignete Behandlung abgeleitet werden.

Damit auch jeder Arzt das Krankheitsstadium richtig einordnen kann gibt es eine international einheitliche „Sprache“: Die TNM-Klassifikation.

Für Kehlkopfkrebs gilt:

  • T bedeutet Primärtumor
  • N bedeutet benachbarte Hals-Lymphknotenmetastasen
  • M steht für Fernmetastasen (Tochtergeschwülste in z. B. Lunge, Leber oder anderen Organen)

Um das Ausbreitungsstadium genauer zu beschreiben werden Indexzahlen zugeordnet. T1 bedeutet ein kleiner Tumor. T4 ein großer Tumor. N0 sagt aus, dass in den Halslymphknoten keine Metastasen, bei N1 kleine und bei N3 große Metastasen vorhanden sind. Bei M0 können Fernmetastasen ausgeschlossen werden.

Krebs im Frühstadium ohne Metastasen würde nach diesem System zum Beispiel so bezeichnet werden: T1N0M0

Therapie bei Kehlkopfkrebs

Als erste und wichtigste Methode steht die Operation. Bei der chirurgischen Behandlung von Kehlkopfkrebs gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten die je nach Ausdehnung des Tumors in Betracht kommen.

Teilentfernung

Im Anfangsstadium und bei entsprechender Lage des Tumors ist es möglich, nur den vom Tumor betroffenen Teil des Kehlkopfes zu entfernen. Dies wird auch als partielle Laryngektomie bezeichnet. Für die partielle Laryngektomie stehen mehrere Methoden zur Verfügung.

Zum einen kann der Tumor über ein durch den Mund eingeführtes Rohr (Laryngoskop) erreicht und entfernt werden. Hierbei wird verstärkt mit Lasertechnik gearbeitet. Wird bei der Entfernung des Tumors mittels Laserstrahl als Schneidwerkzeug gearbeitet kann der Kehlkopf organ- und funktionserhaltend operiert werden. Selbst mittelgroße Tumore können auf diese Weise minimalinvasiv behandelt werden.

Zum anderen erreicht man den Tumor durch Öffnung des Halses von außen.

Vor- und Nachteile

Ein unbestrittener Vorteil dieser Methode ist der Teilerhalt des Kehlkopfes. Dies beeinträchtigt deutlich weniger die Lebensqualität der Patienten. Probleme durch ein Tracheostoma oder der totale Stimmverlust können vermieden werden. Dadurch ist eine schnellere Wiedereingliederung in den Beruf und Ihr soziales Umfeld möglich.

Nachteilig bei der partiellen Kehlkopfentfernung ist oftmals die Ungewissheit vor zurückgebliebenem Tumorgewebe. Auch der Spagat zwischen Organerhalt und Funktionserhalt des Kehlkopfes lässt sich im Vorfeld nicht 100%ig prognostizieren. Diese Frage sollte auf jeden Fall ausführlich mit Ihrem behandelnden Arzt besprochen werden.

Mögliche Probleme die bei einer Teilentfernung des Kehlkopfes auftreten können sein, dass Sie sich beim Essen oder Trinken (sehr) leicht verschlucken können. Die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme kann je nach Umfang der Operation beeinträchtigt sein.

Laryngektomie (Totalentfernung)

Bei der totalen Laryngektomie handelt es sich um eine komplette Entfernung des Kehlkopfes. Diese Methode wird in der Regel bei fortgeschrittenem Kehlkopfkrebs angewandt. Der Kehlkopf wird durch einen Einschnitt am Hals komplett vom umliegenden Gewebe abgetrennt und entfernt. Dieser Eingriff erfolgt immer unter Vollnarkose.

Dem Kehlkopf kommt eine wichtige Funktion zu. Er trennt die Luftröhre von der Speisröhre und ist für die Stimmbildung zuständig. Nach der Kehlkopfentfernung entfällt diese wichtige Funktion. Luft- und Speiseröhre werden während der Operation voneinander getrennt. Die Luftröhre wird durchtrennt und mit der Öffnung am unteren Hals vernäht. Diese Öffnung – auch Tracheostoma genannt – dient nach der Operation als einzige Atemöffnung.

Die Speiseröhre wird mit dem Schlund vernäht. Die Gefahr sich beim Essen oder Trinken zu verschlucken kann somit ausgeschlossen werden.

Folgen der Behandlung

Nach der Operation erfolgt die Nahrungsaufnahme vorerst über eine durch die Nase eingeführte Magensonde. Dies ist nur ein vorübergehender Zustand. Sobald die Wunden abgeheilt sind, ist ein normales Essen und Trinken wieder möglich.

Das Tracheostoma wird in den ersten Wochen nach der Operation mit einer Kanüle versorgt, damit die Atemöffnung nicht wieder zuwächst. Da die Atemluft nun über die Öffnung am Hals (Tracheostoma) erfolgt, wird sie nicht mehr von der Nase vorgewärmt, gefiltert und angewärmt. In den ersten Wochen werden die Schleimhäute der Luftröhre und der Lunge mit einer vermehrten Schleimabsonderung reagieren. Dieser Schleim muss abgehustet oder mit einem speziellen Gerät abgesaugt werden. Die Schleimhäute gewöhnen sich an die neue Art der Atmung, sodass die Schleimbildung mit der Zeit geringer wird.

Nach der Operation wird die Riechfähigkeit stark eingeschränkt sein und auch eingeschränkt bleiben, da Sie nicht mehr durch die Nase atmen. In der Anfangszeit wird auch das Geschmacksempfinden reduziert sein.

Der Verlust der natürlichen Stimme wird nach der Operation die wohl die größte Einschränkung sein. Damit die Zeit in der Sie ohne Stimme sind nicht zu lange andauert, wird bereits wenige Wochen nach der Operation mit einer Stimmtherapie begonnen. Wie und welche Methoden es bei der Stimmtherapie gibt, haben wir für Sie in der Rubrik Stimmrehabilitation beschrieben.

Strahlentherapie

Bei der Strahlentherapie (Radiotherapie) wird ionisierende Strahlung eingesetzt die das Erbgut der Zellen verändert. Krebszellen werden dadurch gezielt zerstört. Gesunde Zellen sind in der Lage sich selbständig zu regenerieren. Krebszellen dagegen können das nicht so gut und sterben ab. Die Strahlen haben eine sehr hohe Energie. Durch eine starke Strahlenkonzentration im Gewebe können so Krebszellen vernichtet werden. Die Strahlen werden so gezielt eingesetzt, dass umliegendes Gewebe geschont wird.

Die Strahlentherapie des Kehlkopfkrebses sowohl allein als auch in Kombination mit einer Operation und / oder Chemotherapie durchgeführt werden.

Wenn sich der Krebs noch im Frühstadium befindet kann die Bestrahlung eine Alternative zur einer Operation sein. So kann die Stimmfunktion zum Beispiel besser erhalten bleiben. Dieser Vorteil sollte aber auf jeden Fall mit den bestehenden Risiken abgewogen werden. Risiken können ein Widerauftreten des Tumors und die Nebenwirkungen sein.

Nach einer vorangegangen Operation kann eine Bestrahlung sinnvoll sein, um eventuell zurückgebliebene Krebszellen zu zerstören. Meist erfolgt die Bestrahlung dann in Kombination mit einer Chemotherapie. Diese Kombination wird häufig auch bei weit fortgeschrittenem Stadium verwendet, wenn keine Operation mehr möglich ist. Ziel ist dann, den Tumor zu verkleinern, damit er operativ entfernt werden kann, oder sein Wachstum weiter einzuschränken.

Chemotherapie

Bei der Chemotherapie wird mit Medikamenten (Zytostatika) ein weiteres Tumorwachstum vermieden beziehungsweise der Tumor verkleinert. Es handelt sich dabei um ein Zellgift das die Erbsubstanz der Krebszellen schädigt. So soll verhindert werden, dass sich die Zellen weiter teilen. Tumorzellen haben die Eigenschaft sich schneller zu teilen als „gesunde“ Zellen. Darum werden diese eher angegriffen als normales Gewebe.

Im Gegensatz zur Strahlentherapie oder Operation ist die Chemotherapie nicht nur lokal begrenzt, sondern wirkt auf den ganzen Körper. Dadurch werden auch gesunde Körperzellen in Mitleidenschaft gezogen. Betroffen davon sind unter anderem Haare, Knochenmark, und die Magen-Darm-Schleimhaut. Die Folge ist, dass die Chemotherapie mit zum Teil starken Nebenwirkungen verbunden sein kann. Typische Nebenwirkungen bei einer Chemotherapie sind Übelkeit und Erbrechen, Haarausfall, Appetitlosigkeit und eine Verschlechterung des Allgemeinzustandes. Diese Nebenwirkungen verschwinden nach der Behandlung wieder.

Die Chemotherapie spielt bei der Behandlung von Kehlkopfkrebs eher eine untergeordnete Rolle. Häufig wird sie in Kombination mit der Strahlentherapie bei fortgeschrittenen Tumoren eingesetzt. Damit soll erreicht werden, dass der Tumor soweit verkleinert wird, dass er operiert werden kann. Nach einer Operation wird die Chemotherapie angewandt um eventuell verbliebene Tumorzellen abzutöten.

In der Palliativmedizin kann die Chemotherapie eingesetzt werden, um das Tumorwachstum möglichst lange aufzuhalten oder zu begrenzen.

Alternative Behandlungsmethoden

Neben den soeben beschriebenen Behandlungsmethoden (Operation, Strahlen- und Chemotherapie), deren Wirkung bei der Krebsbehandlung z. T. wissenschaftlich nachgewiesen ist, gibt es noch „alternative“ Behandlungsmethoden. Bei allen Methoden die darüber hinausgehen muss beachtet werden, dass deren Wirksamkeit gegen Krebs vermutlich wissenschaftlich-klinisch nicht belegt ist, auch wenn es (scheinbar) positive Erfahrungsberichte gibt. Sollte eine alternative Behandlungsform für Sie (zusätzlich) in Frage kommen, sprechen sie das auf jeden Fall mit ihrem Behandelnden Arzt ab.

 

Hinweis: Die Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz für professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte angesehen werden. Der Inhalt kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen

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